Fluch oder Segen? Der Name „DUKETIS“ in der Handballwelt

Fluch oder Segen? Der Name „DUKETIS“ in der Handballwelt
Manchmal fühlt sich alles wie ein Déjà-vu an. Als ich kürzlich ein auf der Homepage MT Melsungen Talents veröffentlichtes Interview meines Enkels Lino (19) gelesen habe, kamen all die Erinnerungen zurück – schöne, aber auch schmerzhafte. Denn es ist nicht leicht, einen bekannten Namen zu tragen. Einen Namen, der Erwartungen weckt, noch bevor man selbst überhaupt gezeigt hat, wer man ist. Schon mein Sohn Dino (47) hat das erlebt. Er kam vergleichsweise spät zum Handball, mit 16 Jahren, genau wie ich damals. Zuvor hatte er Basketball gespielt, dann fragte er mich um Rat. Ich sagte ihm: Wenn du so spät mit Handballspielen anfängst, dann musst du in einen guten Verein gehen, nicht in einen kleinen. Über alte Freundschaften landete er schließlich in Münzenberg. Doch Dino hatte nur eine Bitte: „Papa, der Trainer soll nicht über dich sprechen. Sonst denken alle, ich sei gut – nur wegen meines Namens.“ Ich beruhigte ihn. Doch gleich beim ersten Training geschah genau das Gegenteil: Der Trainer stellte Dino vor – und erwähnte im selben Atemzug seinen Vater, den erfolgreichen Spieler und Trainer. Dino stand da, sprachlos. Der Name hatte ihn eingeholt, noch bevor er einen einzigen Ball geworfen hatte. Heute erlebe ich dasselbe wieder. In der Handballszene wissen viele, dass alle meine Kinder Handball gespielt haben, dass sie in der Bundesliga unterwegs waren, erfolgreich, anerkannt. Und nun wird auch mein Enkel Lino sofort mit seinem Vater und seinem Großvater verglichen. Dabei ist sein größter Wunsch ein ganz einfacher: Er möchte nicht der „Enkel von“ oder der „Sohn von“ sein. Er möchte Lino sein. Mit seiner eigenen Persönlichkeit, seinem eigenen Weg, seinem eigenen Namen. Diese Vergleiche können verletzen. Ich erinnere mich gut an einen Zuschauer, der einmal zu Dino sagte: „So gut wie dein Vater wirst du nie.“ Er irrte sich. Dino war ein besserer Handballspieler als ich. Doch solche Sätze bleiben hängen. Sie zeigen, wie schwer es ist, aus dem Schatten eines großen Namens herauszutreten. Lino nahm mit knapp sechs Jahren zum ersten Mal an einem meiner Handballcamps teil. Schon damals sah ich sein Talent. Ja, er hat etwas geerbt – aber Talent allein reicht nicht. Der Weg ist lang, steinig und voller Erwartungen. Heute weiß ich: Er ist auf dem richtigen Weg. Er hat die Chance, besser zu werden als sein Vater und sein Großvater. Und vor allem: seinen eigenen Namen zu prägen. Nebenbei arbeitet er, wenn seine Zeit es zulässt, in meiner Handballschule als Assistenztrainer – und ist dort bereits ein echtes Vorbild für die Handball-Kids. Natürlich bin ich stolz. Welcher Großvater wäre das nicht? Manchmal werde ich gefragt, ob Lino wohl einmal in Hüttenberg spielen wird. Der Name Duketis soll nämlich dort weiterleben – da, wo sein Opa Trainer war und sein Vater gespielt hat. Die Tradition, heißt es mit einem Schmunzeln, müsse doch fortgeführt werden. Aber vielleicht ist die größte Tradition nicht der Name selbst. Vielleicht ist es der Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Und ich bin überzeugt: Eines Tages wird der Name Lino Duketis fallen – ganz ohne Vergleich, ganz ohne Nachgeschmack. Einfach, weil er für sich selbst steht. Das wünsche ich ihm von ganzem Herzen.
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