Handball-Ostercamp in Rotenburg a.d.F. – Tag 1 (30.03.2026)
Tagebucheintrag von Iljo Duketis – live und in Farbe, leider ohne Pause-Taste.
Liebes Tagebuch,
so ein Oster-Handballcamp wünscht sich wirklich jedes Kind. Ich komme in Rotenburg an und denke kurz, ich bin aus Versehen in einem Wellness-Urlaub gelandet. Zweibettzimmer? Nein. Das sind gefühlt „Suite-Appartements Deluxe mit Aussicht auf Muskelkater“.
Und dann das Restaurant! Ein Buffet, bei dem ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Salate, warme Speisen, Pasta, Fleisch, Gemüse – und dann dieses Dessertbuffet! Kuchen in allen Farben, Obstsalat (für das gute Gewissen), Eis in Mengen, dass selbst ein italienischer Eisverkäufer nervös wird. So lässt es sich leben.
Aber – wir sind ja nicht zum Essen hier. Also offiziell zumindest.
Bevor die Kids kommen, tüftle ich mit meinem Betreuer-Team – Dagmar, Andre und Felix – an einem ganz besonderen Parcours. Wir reden vorher noch über das tolle Hotel und vergessen fast, dass wir eine Sporthalle bekommen haben, die eher aussieht wie eine Arena. Wirklich – wenn da Nebelmaschine läuft, fehlt nur noch Einlaufmusik.
Und ich habe zwei Überraschungen für alle:
Meine Freundin Jara Ivancikova – ehemalige tschechoslowakische Nationalspielerin mit 186 Länderspielen, Deutsche Meisterin, gespielt unter anderem in Buxtehude und Lützellinden – betritt die Halle und sofort ist klar: Hier wird nicht gestreichelt, hier wird verteidigt.
Und mein guter alter Freund Dragoslav Dajovic – genannt „Drago“, ehemaliger Bundesligaspieler der heutigen HSG Wetzlar – steht da mit diesem Blick: „Heute wird gekreuzt, bis keiner mehr weiß, wo vorne ist.“
Dann wird trainiert.
Die Halle wirkt zuerst riesig. Fünf Minuten später ist sie so voll mit Hütchen, Kästen, Koordinationsleitern und Kindern, dass man aufpassen muss, niemandem auf die Füße zu treten. Die Gruppen heißen natürlich standesgemäß: Asterix, Obelix und Majestix.
Jara startet mit individueller Abwehrschulung. Viel Körperkontakt. Sehr viel. Ich höre Sätze wie: „Tiefer stehen! Mehr Spannung!“ – und sehe Kinder, die plötzlich Muskeln entdecken, die sie vorher nicht kannten.
Drago trainiert „zwei auf drei Kreuzen mit Abschluss“. Ich beobachte Kreuzbewegungen, Übergänge, kleine Knoten im Kopf – und gelegentlich auch im eigenen Laufweg. Da ist noch Luft nach oben. Viel Luft.
Meine Jüngsten? Technische Spiele! Passen aus dem Handgelenk, Fangen in Bewegung, Koordination. „Trainer, war das richtig?“ – „Ja!“ – „Und das?“ – „Auch!“ – „Und das?“ – „Fast!“
Dann Mittagessen.
Was soll ich sagen? Das Buffet wird gestürmt, als hätten wir drei Tage nichts bekommen. Manche Kinder sind noch beim Hauptgang und planen mental schon ihr drittes Eis.
„Trainer, wie viel Eis darf ich?“
„Ein… vielleicht zwei.“
Bei Nummer vier sehe ich nur noch bunte Eisspuren auf dem Tisch. Ich schicke vorsichtshalber alle raus, bevor jemand in der Abwehr plötzlich nach Vanille riecht.
Nach der Pause geht’s weiter. Vier Gruppen, weil die Torhüter jetzt Spezialtraining bekommen. Drago arbeitet im Mittelblock – Beton anrühren in der Abwehr. Jara trainiert komplexe Rückraum-Angriffe, Zusammenspiel, Außen freispielen, schnelle Entscheidungen treffen. Entscheidungstraining: schnell denken, richtig handeln. Klingt einfach. Ist es nicht.
Die Kleinsten spielen Staffeln – Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Koordination. Und ganz viel Lachen.
Dann wird getauscht:
Majestix geht aufs Balance Board – Passen und gleichzeitig stabil bleiben. Asterix lernt individuelle Abwehr mit explosiven Attacken. Obelix übt Kreuzungen bis zum Abschluss. Leider werden einige Kreuzungen eher zu Verkehrsunfällen. Technische Fehler, falsches Timing – aber hey, wir sind erst bei Tag 1!
Die letzte Einheit von 19:00 bis 20:30 Uhr hat es in sich: schnelles Spiel, vier Gruppen, kein Prellen, Manndeckung über das ganze Feld. Zwei Minuten Vollgas, ich werfe permanent neue Bälle von der Mittellinie rein. Das ist mörderisch. Jetzt sieht man, wie wichtig Schnelligkeitsausdauer ist – und wie schnell Technik leidet, wenn die Lunge brennt.
Ich glaube, die Kids schlafen heute gut. Hoffentlich ohne Bauchschmerzen vom Eis.
Ich sitze gerade und schreibe diesen Bericht, da fliegt meine Zimmertür auf.
„Trainer! Jemandem ist schlecht! Der muss brechen!“
Ach, liebes Tagebuch…
Ich wollte eigentlich mit einem schönen Fazit enden.
Stattdessen renne ich jetzt los – vom Handballtrainer zum Notfallmanager.
Fortsetzung folgt.




































































































































































