Handballschule DUKETIS: Herbst-Handballcamp 2025 auf dem Sensenstein – Tagebucheintrag Tag 5
Also ehrlich, dieser fünfte Tag… der ist jedes Mal mein Endgegner. Ich liege abends im Bett, stiere an die Decke und denke: „Was sag ich bloß beim Abschlussturnier? Und schaffe ich’s diesmal, keine Träne zu verdrücken?“ Meine innere Stimme antwortet: nein.
Morgens wecke ich die Kinder mit den Worten: „Leute, heute kein Training vor dem Frühstück! Erst Zimmer aufräumen und zwar besenrein!“ Und was höre ich als Antwort aus fast allen Zimmern? „Aber Trainer, lass uns lieber trainieren!“ Ja klar, dass sie das sagen, denn ich habe die Zimmer gesehen – da sieht’s aus, als hätte ein Tornado nach dem Handball gesucht. Also, hier wird nicht nur das Handballspielen gelernt, sondern auch, wie ein aufgeräumtes Zimmer auszusehen hat. Lebensschule pur, Leute!
Unser Hausmeister kommt zur Zimmerkontrolle – sein Blick sagt mehr als tausend Worte. Erst, wenn er zufrieden ist, darf man die Zimmer verlassen. Das schaffen sie fast mit Bravour, nur ein paar Kleinigkeiten. Also 95 Prozent bestanden. Ich geb ja keine Noten… aber naja… am Ende dürfen sie doch alle raus!
Nach dem Frühstück geht’s endlich in die Halle. Und das Highlight: die heiß ersehnten Camp-Shirts! Danach: Fotoshooting-Time! Und das ist härter für die Kids als jedes Sprinttraining und kostet mich mehr Nerven als 10 Kinder, die gleichzeitig etwas verloren haben: den linken Schuh (er schwebt wohl in einer anderen Dimension), die Trinkflasche (auf eine verlorene kommen fünf gefundene, aber darauf steht: „nicht meine“), den rechten Socken (der ist wohl durchgebrannt mit dem linken Schuh von vorhin) und so weiter. Alle müssen jetzt mal ordentlich gerade stehen, – g e r a d e ! -, nicht zappeln, etwas lächeln, aber nicht zuviel – und wehe, einer zwinkert oder macht Hasenohren! Ich schwöre, in dem Moment wünscht man sich wieder Burpees statt Bilder, denn was passiert: der Erste niest, der Zweite schaut in der Gegend herum und der Dritte? Das gibt´s doch nicht, der hat einen Finger in der Nase – Gottseidank ist es sein eigener! Aber hey – am Ende haben wir es geschafft. Ein Gruppenfoto, auf dem tatsächlich fast alle Augen offen sind und in die Kamera schauen. Toll!
Dann: Reaktionstraining. Auf den Pylonen blinken ja Lichter – sieht aus, als würden wir für den Autoführerschein üben. Nur ohne Autos. Ich erklär: „Leute, wer in 30 Sekunden die meisten Lichter ausschaltet, gewinnt.“ Und zack! Die Halle explodiert. Kampfmodus an, es wird gerannt, gesprungen, geschrien. Ich glaub, einer wollte sogar das Licht mit Gedanken ausschalten. Der Hallenwart überlegt kurz, ob er die Oberlichter in der Sporthalle ausschalten soll…
Danach messen wir die Wurfkraft. Das ist wie im Fitnessstudio – nur mit mehr Begeisterung und weniger Spiegel. Und dann dieser Satz, den ich heute mindestens schon zum 83-mal gehört habe:
„Trainer, nur noch einmal!“ Ja, ja… und jedes ‚nur noch einmal‘ dauert insgesamt 20 Minuten.
Während ich mit den Kids trainiere, beladen André und Carsten schon den Anhänger mit unseren Geräten. Die Jungs sind schon Profis – das läuft rund wie bei der Tetris-Weltmeisterschaft. Daggi, die nachher die Spiele beim Abschlussturnier als Schiri leiten wird, rennt noch immer mit der Kamera rum und sammelt letzte Momente ein. Ich sag Euch, ich brauch bald ein zweites Camp nur für sie.
Mittagessen? Schnell rein, schnell wieder raus – die Kids wollen zurück in die Halle. Ich frag mich:
„Was hab ich nur falsch gemacht?“ Normalerweise müssten sie längst jammern über Muskelkater oder Müdigkeit. Stattdessen höre ich nur: „Wann fängt endlich das Turnier an?“ Ich glaub, ein paar von den Kids muss ich wirklich mal zum Ohrenarzt schicken. Denn ich weiß nicht, wie oft ich jetzt schon erwähnt habe, wann das Turnier beginnt. Ich sage: „Bei uns in Kroatien muss man nur dem Esel zweimal Bescheid sagen!“ Und zack, alle hören zu. Ich sag ja: Humor ist mein pädagogisches Werkzeug.
Die Tribüne ist inzwischen mit vielen großen und kleinen Menschen gefüllt – so viele Leute hab ich noch nie beim Abschlussturnier in einem meiner Camps gesehen! Die Spiele sind aber auch klasse, die Stimmung ist bombastisch, Eltern klatschen, Kinder feuern sich gegenseitig an – Gänsehaut pur.
Und dann… der Moment, vor dem ich mich am liebsten drücken würde: der Abschied. Die Kids laufen in die Halle, der Applaus brandet auf, und ich merke, wie’s in der Brust zieht. Ich halte meine Abschlussrede – versuche, stark zu bleiben. Und jedes Kind sagt: „Trainer, ich komme doch wieder. Danke für die tollen Tage.“ Ja, da kann ich noch so tun als wär ich der harte Hund – innerlich ist’s vorbei. Ich gehe zu den Eltern auf die Tribüne, viele kenne ich schon. Sie bedanken sich, sagen: „Danke für die schöne Woche. Unser Kind hat so viel gelernt.“ Und dann dieser Satz, der mich jedes Jahr trägt: „Bleib uns bitte lange erhalten.“ Da weiß ich wieder, warum ich das alles mache.
Kaum bin ich zuhause, krieg ich schon die erste Nachricht: „Iljo, unser Kind wollte eigentlich mit Handball aufhören – und auf der Rückfahrt sagt es: Mama, ich mach weiter!“ Was soll ich da sagen? Das ist der Jackpot. Genau deshalb halte ich die Camps klein – damit jedes Kind gesehen und gefördert wird und anschließend glücklich nach Hause geht und dem Handball treu bleibt.
Am Ende bleibt mir nur zu sagen: Danke an mein Team – wir haben’s wieder geschafft, den Kindern Handballfreude zu schenken. Es war anstrengend, aber wunderschön. Ihr wart alle spitze! Die Bitte vorhin von den Eltern an mich gebe ich gerne an Euch weiter: „Bleibt mir bitte lange erhalten!“
Und ich? Ich fühl mich nicht alt. Solange ich diese leuchtenden Kinderaugen sehe – mache ich immer weiter. Das nächste Handballcamp auf dem Sensenstein ist unser Neujahrs-Handballcamp vom 09.-11.01.2026. Seid Ihr dabei?
Bis dahin wünsche ich allen viel Erfolg und vor allem viel Spaß und bleibt mir alle gesund! Und zu Dir, liebes Tagebuch, sage ich „tschüs“ bis zum Power-Handballcamp in Bendorf in 2 Wochen!
Euer Trainer


















































































































































